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Buckelwale - die Kobolde des Meeres
Text Fred Vnoucek

Bereits im Jahr 1520 entdeckte Magellan die spter nach ihm benannte Magellanstrasse, eine eisfreie Verbindung durch die Inselwelt des suedlichen Chile und Feuerlands.

Aber es dauerte an die fnfhundert Jahre, ehe es eine Gruppe sterreichischer Whalewatchers - leidenschaftliche Walbeobachter - es nachmachten. Dem Veranstalter fr Spezialreisen JOE FAR TOURS war es vorenthalten, dieses Naturwunder fr den Tourismus zu entdecken und die erste Gruppenreise anzubieten. Schnell war diese Expediton ausgebucht, und im Februar startete der Autor dieser Zeilen mit 10 Enthusiasten in Richtung Sdamerika.

Buckelwale Ferdinand Magellan (* 1480 - 1521), Entdecker der nach ihm benannten Meeresstrae zwischen Atlantik und Pazifik und Fhrer der ersten Weltumseglung. War zunchst als Page von Knigin Leonore in Lissabon angestellt. Er reiste fr die damalige Zeit viel umher, unter anderem nach Indien, Mocambique und zur Malayischen Halbinsel. Unstimmigkeiten mit dem portugiesischen Hof veranlaten Magellan 1517 nach Spanien zu gehen. Die spanischen Interessen im Atlantik waren so stark, dass die Krone im Mrz 1518 fnf Schiffe fr Magellan ausrsten lie, mit denen er 1519 in See stechen konnte. Es kam zu Meutereien und Todesurteilen auf der langen Reise, ehe Magellan im Oktober 1520 bei Cabo de las Virgines die Einfahrt in die Magellan-Strae erreichte. Am 28. November 1520 fuhr Magellan in die Sdsee ein. Aufgrund des gnstigen Wetters und der ruhigen See nannte er den Ozean "mar pacifico". Beim Versuch, in einem Eingeborenenkampf Frieden zu stiften, fiel Magellan am 27. April 1521 auf der Insel Matan (Maktan, Philippinen), und Juan Sebastian del Cano fhrte das einzige verbliebene Schiff, die "Victoria", 1522 nach Spanien zurck.

Nachdem die Halbinsel Valdes an der Argentinischen Atlantikkste bereits seit vielen Jahren als Wal-Mekka bekannt ist und von vielen Touristen besucht wird, macht nun das andere Ende des Kontinents von sich reden: der sdliche Pazifik in Chile. Erst vor wenigen Jahren wurde von einer kleinen Gruppe - bestehend aus Wissenschaftern und Enthusiasten - der Whalesound, die Bucht der Wale gefunden. Sie entdeckten in der Magellan Strasse - am sdlichsten Ende Sdamerikas - die Nahrungsgrnde von Buckelwalen, wohin die Tiere jeden Sommer zurckkehren. Diesem besonderen "Ruf der Natur" folgen die Wale wahrscheinlich schon seit Jahrhunderten zu diesem abgelegenen Meeresdurchgang, was ihm dem Namen "Bahia Ballenas" eintrug. In Zusammenarbeit mit einem rtlichen Fischereiexperten wurde ein Camp errichtet und die Forschungsarbeit aufgenommen. Der erste Erfolg war die Einrichtung des Marine Parks Francisco Coloane, um die Erhaltung dieses einzigartigen Naturgebietes zu sichern.

Buckelwale Die argentinische Halbinsel Valdes bildet zusammen mit der Kste nrdlich von Puerto Madryn den Golfo Nuevo. Die Halbinsel selbst ist ca. 3625 km gro und mit dem Festland nur durch einen 35 km schmalen Landstreifen (Istmo Argentino) verbunden. Es ist die grte argentinische Halbinsel. Dieses Gebiet wird jedes Jahr zwischen Juli und November von Walen zur Paarung besucht, um sich zu vermehren. Bhne eines einzigartigen und unvergesslichen Schauspiels auf der ganzen Welt, verwandelt sich dieser Teil der Atlantikkste in eine farbige und kologische Liebessymphonie. Mit ihren enormen Schwanzflossen katapultieren sich die Wale aus dem Wasser, zeigen sich in voller Gre und lassen bei ihrem Spiel das Meer wei aufschumen, was ein beeindruckendes Schauspiel darstellt.

Whrend man im Atlantik Glattwale beobachten kann, handelt es sich in Chile um Buckelwale, die aufgrund ihrer Aktivitten auch Kobolde des Meeresgenannt werden knnen.

Zur Familie der Glattwale (Balaenidae) gehren die Gattung Balaena mit einer Art, dem Grnlandwal (Balaena mysticetus), und die Gattung Eubalaena mit drei Arten, dem Atlantischen Nordkaper (Eubalaena glacialis), dem Pazifischen Nordkaper (Eubalaena japonica) und dem Sdkaper (Eubalaena australis). Glattwale filtern ihre Nahrung kontinuierlich. Das Wasser strmt im vorderen Bereich des Mauls ein und an der Seite wieder heraus. Da die Barten an den Seiten lnger sind als im vorderen Bereich des Mauls, kann das Plankton mit dem Wasser in den Mundraum gelangen, bleibt aber beim Herausstrmen des Wassers in den Barten hngen. Hat sich gengend Nahrung angesammelt, wird sie mit der Zunge in den Rachen geschoben. Dabei tauchen die Glattwale ab. Diese Art der Nahrungsaufnahme wird auch als Schpfmethode bezeichnet. Die deutsche Bezeichnung Glattwal weist auf das Fehlen von Furchen hin - der Krper erscheint vllig glatt. Der englische Ausdruck fr diese Familie, right whale, geht auf die Anfnge des Walfangs zurck. Aufgrund der Tatsache, dass Glattwale besonders langsame Schwimmer sind, sich vorwiegend in Kstennhe aufhalten und erlegte Glattwale im Gegensatz zu den Furchenwalen an der Oberflche treiben, waren sie gerade fr die frhen Walfnger in ihren recht langsamen Booten die richtigen Wale zum Jagen. Begehrt waren sie nicht nur wegen ihrer sehr langen, feinen Barten, sondern vor allem auch wegen des ls, das aus dem Blubber gewonnen wurde und als Lampenl, zum Kochen und in der Industrie Verwendung fand. Die Jagd wurde so intensiv betrieben, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Glattwalbestnde nahezu ausgerottet waren.

Buckelwale Buckelwale (Megaptera novaeangliae) verdanken ihren Namen dem "Buckel" vor ihrer kleinen Rckenflosse. Sie sind meistens schwarz oder grau gefrbt mit weier Schwanzflossen-, Brustflossen- und Brustunterseite. Sie werden bis zu 15 Meter lang. Eines der bemerkenswertesten Merkmale der Buckelwale sind ihre langen Brustflossen. Die Tiere sind sehr aktiv und schlagen oft mit ihren Brust- und Schwanzflossen auf die Meeresoberflche. Sie springen auch hufiger als alle anderen Bartenwale. Buckelwale sind Bartenwale - das heit, sie sieben ihr Futter durch Bartenplatten. So filtern sie Krill, Sardellen, Kabeljau, Sardinen, Makrelen, Lodden und andere Schwarmfische aus dem Wasser. Buckelwale fressen oft in groen Gruppen und sind berhmt fr ihre "Gesnge". Buckelwale legen auf ihren Wanderungen zwischen den nahrungsreichen Gebieten in den nrdlichen Breitengraden und den berwinterungsgrnden in sdlichen Breitengraden groe Strecken zurck. Den Winter verbringen sie zur Paarung und zum Kalben in warmen subtropischen Gewssern und wandern dann alljhrlich in kltere und nahrungsreichere Gewsser zurck.

Punta Arenas, die suedliche Hafenstadt Chiles, ist Ausgangspunkt der Expedition zur Bucht der Wale. Bereits am fruehen Morgen legt die 15 Meter Jacht Esturion ab, um die acht Stunden Anreise zum auf der Insel Carlos gelegenen Camp in Angriff zu nehmen. Bei Punta Arenas trifft der Atlantik auf den Pazifik. Die Esturion passiert auf dem Weg in die stuermische Magellanstrasse das Cruce del Mare, ein sechzig Meter hohes Kreuz welches den suedlichsten Punkt des suedamerikanischen Kontinents markiert. Das Kreuz wurde vor einigen Jahren zum Anlass des Besuches von Papst Johannes Paul II. errichtet, und thront nun auf dem Kap mit Blick zur vierzig Kilometer entfernten Insel Feuerland.
Buckelwale Entsprechend der exponierten Lage - bis zur Antarktis sind es nur noch 1100 Kilometer - muss man mit jeder Wetterlage rechnen. Die erfahrene Crew bringt das Schiff sicher und relativ bequem durch die rauhen Gewsser der Magellanstrasse. Zuerst begleitet eine Schule Delfine die Esturion, danach gibt es nur noch Begegnungen mit riesigen Frachtschiffen. Diese nutzen - ebenso wie einige grosse Kreuzfahrtschiffe - diesen Meeresweg auf ihrem Weg von Chile nach Ushuaia (Feuerland) oder in die Antarktis.

Am Nachmittag ist es soweit: Carlos kommt in Sicht. Bereits aus einigen Kilometern erkennt man das in den Hang der Insel gebaute Camp. Was aber wirklich das Interesse fesselt, sind feine Gischtwolken ber der Wasseroberflche. Bei jedem Auftauchen stossen die riesigen Meeressuger die Atemlufr durch ein Blasloch hinter dem Kopf aus, was fr uns wie eine Fontne wirkt. Experten knnen an der Form dieser Fontne sogar die Walart bestimmen.

Buckelwale Die Erwartungshaltung an Bord weicht nun der Aufregung, alle Passagiere und auch die Crew versammeln sich an Deck. Nachdem die nahegelegene Pinguin-Insel (hier befindet sich eine ausgedehnte Kolonie von Magellan-Pinguinen) passiert ist, kann man bereits die aus dem Wasser ragenden Rcken der Wale erkennen. Durch gezielte Forschung in den letzten Jahren hat man die Wanderwege der Buckelwale von Kolumbien und Ecuador bis in die Antarktis nachvollzogen, und herausgefunden, dass eine Gruppe von Walen - ber hundert Stck - immer wieder in die Bucht von Carlos zurckkehrt. Eine Population von zweitausend Tieren verbringt die meiste Zeit des Jahres in den wrmeren und nahrungsreichen Gewssern vor Kolumbien und Ecuador, und zieht whrend des antarktischen Sommers in den Sden, ein Grossteil bis in die Antarktis, eine kleine Gruppe nur bis ins sdliche Chile. Die wissenschaftliche Sensation liegt ebenso auf der Hand wie die einmalige Chance fr die Whalewatchers: whrend sich die Wale in der Antarktis ber eine riesige Flche verteilen und Sichtungen nicht an der Tagesordnung stehen, kann man in der Bucht der Waleeine stattliche Anzahl der grossen Meeressaeuger auf wenige Quadratkilometer verteilt beobachten. Bereits whrend der letzten Kilometer Anfahrt sieht man die Rcken der Wale, ihre Atemfontnen und fters auch eine Schwanzflosse. Die Tiere verbleiben fr einige Atemzge an der Oberflche ehe Sie wieder minutenlang in der Tiefe entschwinden, das Abtauchen wird in der Regel von einer steil emporgereckten Schwanzflosse begeleitet, ein Leckerbissen fr Beobachter und Fotografen. Den Wissenschaftern gelingt es, die Tiere anhand der Schwanzflossen zu unterscheiden. Jede davon ist individuell, vergleichbar mit dem menschlichen Fingerabdruck. Aber der Kobold der Meerehat mehr zu bieten: das Rausstrecken des mchtigen Kopfes etwa, oder das spielerische Winken mit der bis fnf Meter langen Brustflosse gehren ebenso zum Repertoire wie herumplantschen und das herzeigen des Bauches. Manchmal begleitet die Wale dabei ein Rudel Robben, das flink und spielerisch um die Kolosse herumturnt, sogar ber die Walrcken springt und vor der mchtigen Schwanzflosse keinen Respekt zeigt.

Absoluter Hhepunkt ist jedoch, wenn sich pltzlich und berraschend die Oberflche des Meeres teilt, und ein vierzig Tonnen schweres Ungetm mit Leichtigkeit seinen gesamten Krper aus dem Wasser wuchtet, kurz mit weit geschwungener Brustflosse auf dem Scheitelpunkt verharrt, und dann mit lautem Getoese ins Wasser zurckplumst. Breeching nennen das die Fachleute. Man ist sich nicht einig, ob es bloss der Ausdruck von Heiterkeit ist, oder etwa der Reinigung der Krper dient. Auch eine soziale Komponente wird erforscht, aber hier stehen die engagierten Leute auf der Insel Carlos noch am Anfang ihrer Forschungen. Erster groer Erfolg war die Errichtung des Schutzgebietes, das sowohl die Insel als auch die umliegenden Gewsser unter Schutz stellt. Wie wichtig das war erkennt man, wenn man eine Nacht auf der Insel verbringt, dann ist es ist mucksmuschenstill und man kann das Atmen der Wale bis in die Zelte vernehmen, was so manchen Besucher schlaflose Stunden bescheren kann.
Buckelwale Der Francisco Coloane Marine Park ist das erste maritime Naturschutzgebiet Chiles. Er umfasst ein Gebiet von 67 Tausend Hektar um die Insel Carlos in der Magellanstrasse. Dazu gehren der Jernimo Kanal, die Tortuoso Passage, Rupert Islet, der Barbara Kanal, die Fortescue und Cordes Buchten sowie die Santa Ines Insel und ihrem Gletscher. Der gesamte Park umfasst eine reichhaltige biologische Vielfalt als auch Einzigartigkeit aufgrund der Nhe von zwei verschiedenen Meeren, dem Pazifik und dem Atlantik. Die besondere Wichtigkeit dieses Naturschutzgebietes ist der biologische Korridor, den es fr die Nahrungsgrnde fr Buckelwale und manchmal auch Minkwale bietet. Dieses Gebiet beherrbergt auch groe Seelwen Kolonien und wichtige Nistpltze fr den Magellan Pinguin.

Die Grndung des Schutzgebietes und der uerst zivilisierte Umgang mit den natrlichen Ressourcen und Naturwundern von seiten der verantwortlichen Personen macht Hoffnung, dass auch zuknftige Generationen das Wunder der Bucht der Wale werden genieen knnen.