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Tours - Reisen mit Fred Vnoucek

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Namibia
Wunderland im sdlichen Afrika


Text Fred Vnoucek
Fotos Fred Vnoucek / e-reisewelt e.K

In Namibia spricht man deutsch. Was nicht weiter verwundert, da das Land am Sdende Afrikas 1884 vom Deutschen Reich zum Protektorat erklrt wurde. Unmittelbar darauf wurde von der "Deutschen Kolonialgesellschaft fr Sdwestafrika" mit der Besiedelung begonnen. Bereits 1891 wird Windhoek Sitz der deutschen Verwaltung, weitere "Hochburgen" deutscher Einwanderer waren Swakopmund und Lderitz. Noch heute tragen viele Strassen und Geschfte in Swakopmund deutsche Namen und es kann schon mal passieren, dass man von einem einheimischen Tankwart mit den Worten "volltanken mein Herr?" begrsst wird.

Whrend des bequemen Nonstop-Fluges von Europa ins sdliche Afrika habe ich Zeit, mich mit der interessanten Geschichte Namibias auseinanderzusetzen. Von der Ankunft der Portugiesen am Kreuzkap - noch vor der Entdeckung Amerikas! - ber die Besiedelung durch das Hirtenvolk der Hereros und die Buren fhrt der Schicksalsweg des Landes bis zur Unabhngigkeit im Jahre 1990.

Es gibt mehrere Mglichkeiten, Namibia zu bereisen: Teilnahme an einer organisierten Rundreise, Fahrt mit dem Mietwagen von Unterkunft zu Unterkunft, oder bernahme eines sogenannten "Buschcampers" - eines Campmobiles auf Basis eines allradgetriebenen Jeeps. Im Buschcamper kann man kochen und wohnen, man schlft im Dachzelt auf dem Wagen. Falls man entlegenere Teile Namibias - wie zum Beispiel das Kaokoland - besuchen mchte, ist der Buschcamper die beste Variante.



Rasch sind die Einreiseformalitten abgewickelt. Vor dem Flughafen wartet bereits mein Freund John, um mich abzuholen. Wir haben uns fr den Buschcamper entschieden, da wir bis ins Kaokoland und bis an den Kunene-Fluss vordringen wollen. Das Fahrzeug ist bereits vollgetankt und prchtig "in Schuss" und nach dem Einkaufsstop in einem grossen Supermarkt in Windhoek beginnt das Abenteuer. Mehrere Stunden dauert die Fahrt auf guter Strasse bis zum Etoscha Nationalpark, einem der schnsten und wildreichsten Tierschutzgebiete Afrikas.

Bereits 1907 gegrndet, reichte der Nationalpark ursprnglich bis an den Atlantik, seit 1970 hat er seine heutigen Ausmasse mit der "Pfanne" als Zentrum. Am besten besucht man Etoscha whrend der Trockenzeit (Mai-Oktober), wenn die Tiere zu den Wasserstellen kommen.

Wir verbringen mehrere Tage in Etoscha, aufgeteilt auf die drei staatlichen Camps: Halali, Okaukuejo und Namutoni. Jeden Morgen bei Sonnenaufgang werden die Tore der Camps geffnet und die Safari kann beginnen. Wir sehen Elefanten, Geparde, Lwen und auch das seltene Spitzmaulnashorn. Bei den Camps von Okaukuejo und Halali wird jeden Abend eine Wasserstelle von starken Scheinwerfern beleuchtet; man kann bequem alle Arten von Grosswild an der Trnke beobachten. Wir verlassen Etoscha und fahren durch menschenleere Gebiete nach Nordwesten. Nach einem langen Tag erreichen wir Opuwo, den Ausgangspunkt fr Fahrten in den "wilden Nordwesten" des Landes. Hier trifft sich die Neuzeit mit der Steinzeit. Am rtlichen Markt sehen wir Hereros in ihrer traditionellen Kleidung sowie die ersten Himbas. In Opuwo kann man das letzte Mal fr lngere Zeit tanken und die Vorrte ergnzen. Unbefestigte Strassen fhren von hier in das Kaokoland und bis an die Grenze zu Angola. Auf der Fahrt zum Kunene-Fluss sehen wir die ersten Himba-Siedlungen und Begrbnissttten.

Einen Eindruck von ursprnglicher, traditioneller Lebensart vermitteln heute noch die Himba, die auch Ockermenschen genannt werden. Diesen Namen verdanken sie dem Brauch, ihre Haut mit einem Gemisch aus eisenoxydhaltiger Erde und Ziegenbutter vor der unbarmherzig brennenden Sonne zu schtzen. Die Familien leben ihn lehm- und dungverputzten Rundhtten, die Frauen schmcken sich traditionell mit handgearbeitetem Kupfer- und Lederschmuck. Eine ganz andere Entwicklung haben dagegen die Herero genommen. Die Herero-Frauen tragen viktorianisch anmutende farbige Gewnder, die aus fnf bis zehn Meter Stoff bestehen. Farblich passend dazu bedecken sie das Haupt mit einem dreieckigen, kunstvoll gebundenen Kopfputz. Die Herero-Mnner dagegen schmcken sich - speziell zum Hererotag Ende August - mit bunten Fantasieuniformen.

Mde erreichen wir unser Ziel und finden einen schnen Campingplatz, direkt am Fluss und nur ein paar Meter von den Epupa-Wasserfllen entfernt. Whrend John das Zelt bereit macht und sich um das Abendessen kmmert, mache ich im Abendlicht einen Spaziergang zu den Wasserfllen und den Fluss entlang. Hundert Meter weiter drben liegt bereits Angola.

Der Kuneneflu mit den Ruacana Fllen und den kleineren aber malerischen Epupa Fllen markiert auf natrliche Art die Grenze zwischen dem Kaokoland im Nordwesten Namibias und Angola. Zum Kaokoland zhlt man die herbe Landschaft des Kaokofelds, Heimat der noch traditionell lebenden Himba, ebenso wie das wild-romantische Damaraland mit seiner einzigartigen Vielfalt an geologischen Besonderheiten und prhistorischen Zeugnissen. Eine entlegene Gegend, in der sich Mensch und Tier besonders anpassen mussten. Ein Beispiel dafr ist der Wstenelefant.

In der Umgebung liegen versteckt einige Himba-Siedlungen. Die mitgebrachten Gastgeschenke - Tabak, Mehl und Streichhlzer - ermglichen uns den Kontakt mit den Dorfbewohnern. Nach mehreren Tagen verlassen wir das Lager am Kunene-Fluss und fahren eine schwierige Route quer durch das einsame Kaokoland. Mehrfach treffen wir noch auf entlegene Himba-Drfer. Nach einigen Tagen und Nchten im Busch erreichen wir den kleinen Ort Sesfontein. Von hier ist es nicht mehr weit zur Hobatere Lodge. Hier verlassen wir das Kaokoland und besuchen die Felsgravuren von Twyffelfontein, den Brandberg und den "Versteinerten Wald" .

Die ersten Spuren von Menschen im heutigen Namibia lassen sich bis in die Steinzeit zurckverfolgen. Zahlreiche Felsgravuren und - malereien zeugen von diesen als Jger und Sammler lebenden "Ureinwohnern" . Zu ihnen gehren laut der Wissenschaft die SAN - auch Buschmnner genannt - sowie die Damara, die sich anders als die San schon relativ frh dem Ackerbau zuwandten.

Bereits im Skelettksten-Nationalpark liegt vor uns der Atlantik. Vorbei an einigen mehr oder weniger zerfallenen Schiffswracks - die dem Nationalpark seinen Namen gaben - erreichen wir das Kreuzkap. Von dort ist es nicht mehr weit nach Swakopmund, wo wir die nchsten Tage verbringen wollen. Der historische Leuchtturm sowie die alte Dampflokomotive "Martin Luther" sind Sehenswrdigkeiten der Stadt.



Der Skeleton Coast Park wurde 1971 gegrndet. Er umfasst 2 Millionen Hektar Sanddnen und Gerll. Den Namen erhielt der Kstenstreifen durch die vielen gestrandeten Schiffe. Der Portugiese Diego Cao erreichte 1486 Cape Cross. Heute ist diese Stelle bekannt wegen der grossen Pelzrobbenkolonie (whrend der Saison ca. 80000!)die man besuchen kann.

Unweit von Swakopmund liegt Sandwich Harbour, bereits Teil des grossen Namib Naukluft Nationalparks. Dieser Nationalpark ist das letzte Ziel unserer Reise, hier finden wir die Welwitschia mirabilis, eine Pflanze, von der wir ein 1500 Jahre altes Exemplar bestaunen. Wir fahren durch die unendliche Weite, in der Ferne ziehen Herden von Oryxantilopen und Springbcken ber die drren Ebenen.

Der Namib-Naukluft Park ist das grte Naturschutzgebiet Afrikas. Das Sandmeer des Namibteils mit seinen farbenfrohen Dnen dehnt sich im Sden aus. Unendliche graue Gerllebenen mit vereinzelten Hgeln bedecken den Norden. Das Naukluftgebirge bietet zerklftete Bergketten und tiefe Schluchten.

Zwischen dem Kuiseb Fluss im Norden und dem Khoichab Fluss im Sden liegen die bekannten roten Sanddnen von Sossusvlei. Da man nur whrend des Tages in das Dnengebiet fahren darf, campieren wir in der Nhe des Eingangs. Bereits vor Sonnenaufgang sitzen wir im Wagen, um die Zeit des guten Morgenlichtes zum Fotografieren zu nutzen. Der Grossteil der Strasse durch die Dnen ist befestigt, nur fr die letzten fnf Kilometer braucht man ein allradgetriebenes Fahrzeug. Oder man parkt und wandert den Rest des Weges. Die Dnen sind streng geschtzt, jedoch gibt es einige Stellen wo es erlaubt ist hinaufzulaufen. Ein Schritt vor, zwei zurck lautet die Formel, es lohnt sich aber trotz der Mhe allemal.

Sossusvlei ist eine riesige ausgetrocknete Lehmbodensenke, die von bis zu dreihundert Meter hohen Dnen umringt ist. In regenreichen Jahren fliet der Tsauchab-Flu bis in die Senke, die dann das Wasser staut und zahlreiche Tierarten anzieht, Der Tsauchab-Trockenflu ist verantwortlich fr den Sesriem Canyon. Auf einer 1 km langen Strecke hat er eine bis zu 30m tiefe Schlucht in die Landschaft geschnitten, in deren schattigem Schutz Bume und Pflanzen gedeihen.

Noch weiter im Sden Namibias erreichen wir den Ort Lderitz und damit ein weiteres Mal den Atlantik. Gegrndet vom Kaufmann Adolf Lderitz erreichte die Stadt vor allem durch Diamantenfunde vorbergehenden Wohlstand, von dem noch heute prchtige Bauten zeugen. Hier, wo 1884 die Geschichte Namibias als deutsche Kolonie begann, endet unsere Reise.